Axel Bertram
»Bildmagie und & Zweckform«

Axel Bertram wurde 1936 in Dresden geboren und studierte von 1955 bis 1960 in Berlin-Weißensee an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst. 1960 beteiligte er sich an der gemeinschaftlichen Gründung des Ateliers »Gruppe 4«, der er bis 1972 angehörte. Ab 1960 nahm Bertram seine TÄtigkeit als selbstständiger Grafiker in Berlin auf. Er arbeitete für Buchverlageund alle Medien der Kulturwerbung (u. a. Theater und Film).
Zu seinen Bearbeitungsgebieten zählen die Typografie, Kalligrafie, das Zeichen und die Zeichnung sowie die Fotografie. Desweiteren publizierte er Arbeiten zu Fragen der Gestaltung in Kulturzeitschriften. Später folgten Studien zur Kulturgeschichte der lateinischen Schrift. Sie fanden 2004 ihren Niederschlag in dem Buch »Das wohltemperierte Alphabet«. Ab 1972 war er 20 Jahre Hochschullehrer für Schrift und grafische Gestaltung an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, ab 1977 erhielt er die Professur für Gebrauchsgrafik. Zwischen 1966 und 1979 entwarf er 16 Gedenkmünzen der DDR-Staatsbank – unter anderem für Gutenberg, Kepler, Dürer und Cranach. Auch die 20 Pfennig Münze stammt von seiner Hand. 2005 erschien sein Entwurf der Schinkel- Gedenkmünze der Bundesrepublik.
Von 1965 bis 68 gestaltete Bertram drei Jahre die Seiten des Modemagazins Sibylle. Um 1970/71 entwarf er das graphische Erscheinungsbild der Wochenpost und begleitete es als Berater bis 1991. In dieser Zeit zeichnete er 30 Titelseiten für die Wochenpost. Zeitweilig beriet er die Neue Berliner Illustrierte (1963), zuletzt das Neue Deutschland (1996). 1982 und 1983 entstanden zwei mit der Feder geschriebene Bücher, zum einen Goethes »Buch Suleika«, zum anderen »Das hohe Lied Salomo«. Beide sind aus dem erklärten Versuch heraus entstanden, das sorgfältige Schreiben wieder näher an das Lesen heranzuführen. 2003 erschien »Das Buch Hiob«, gesetzt in der inzwischen digitalisierten Rotunda des »Hohen Lied Salomo« und mit 68 Zeichnungen versehen. Diese Arbeiten lassen wohl auch Rückschlüsse auf den Leser Bertram zu. Im Laufe seiner Arbeit entwickelte Bertram mehrere Schriften: Die drei Werkschriften Lucinde, Rabenau und Salomo, die Akzidenzschriften Quippini und Dandy, die Schreibmaschinentype Venezia, sowie dieBildschirmschrift videtur (letztere für das Fernsehen der DDR). Bertram bekennt sich zu einer »funktional orientierten Gestaltung, die sich nicht zu schade ist, Gründe für ihr Vorgehen anzugeben«. Für ihn bildet die praktische Erfahrung stets Ausgangspunkt und Prüfstein aller Theorie.
Im Oktober 2008 fand eine Ausstellung von Bertrams Arbeiten unter dem Titel »Visuelle Botschaften – Gebrauchsgrafik aus fünf Jahrzehnten« in der Stadtbücherei in Weimar statt.